Extreme Hitze, längere Trockenperioden und zunehmende Wetterextreme stellen Städte weltweit vor große Herausforderungen. Besonders historische Städte wie Krems stehen dabei vor einer doppelten Aufgabe: Sie müssen ihr einzigartiges kulturelles Erbe bewahren und sich gleichzeitig an die Folgen des Klimawandels anpassen. Wie beides gelingen kann, zeigt die Ausstellung „Wo sich Krems und die Donau begegnen“, die aus einem internationalen Städtebau-Workshop hervorgegangen ist.
Internationale Ideen für Krems, Antworten auf den Klimawandel
Im Rahmen eines dreiwöchigen Workshops entwickelten Studierende der New Jersey Institute of Technology (NJIT) – einer der führenden technischen Forschungsuniversitäten der USA – gemeinsam mit der Stadt Krems, AIR – Artist in Residence Niederösterreich der Kunstmeile Krems, der Universität für Weiterbildung Krems sowie zahlreichen regionalen Partner:innen visionäre Zukunftsentwürfe für die UNESCO-Welterbestadt. Organisiert und geleitet wurde der Workshop von Univ.-Prof. Gernot Riether der NJIT. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Krems seine Beziehung zur Donau stärken und gleichzeitig lebenswerter, grüner und widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels werden kann.
Visionäre Konzepte für die Stadt von morgen
Die entstandenen Arbeiten reichen von entsiegelten Stadtplätzen über neue Grün- und Freiräume bis hin zu schattenspendenden Baumlandschaften, schwimmenden öffentlichen Plätzen auf der Donau und innovativen Verbindungen zwischen Altstadt, Kunstmeile, Universitäten und Fluss. Sie zeigen eindrucksvoll, wie sich Klimaanpassung, nachhaltige Stadtentwicklung und der sensible Umgang mit historischem Stadtraum miteinander verbinden lassen. Die Entwürfe verstehen sich dabei nicht als fertige Planungen, sondern als Impulse, die neue Blickwinkel eröffnen und die Diskussion über die Stadtentwicklung von morgen anregen.
So verwandelt „The Weeds“ von Anna Dynda den Museumsplatz in eine grüne Stadtoase. Modellierte Landschaften ersetzen versiegelte Flächen und schaffen Orte zum Spielen, Verweilen und Begegnen. Gleichzeitig verbessert die grün-blaue Infrastruktur das Mikroklima und reduziert die sommerliche Hitzebelastung. Mit „The Green Stitch“ entwickelt Chelsey Tang ein durchgängiges Netz aus Grün- und Freiräumen, das Stadtzentrum, Universitäten, Kunstmeile und Donau miteinander verbindet. Dadurch entstehen neue öffentliche Räume, die Biodiversität fördern, aktive Mobilität unterstützen und die Verbindung zwischen Stadt und Fluss stärken.
Wie die Donau selbst zum öffentlichen Stadtraum werden kann, zeigt Destiny Valerio mit „Drift“. Modulare schwimmende Plattformen schaffen neue Orte für Konzerte, Märkte, Freizeit und Begegnung und holen den Fluss stärker in den Alltag der Stadt. Mit „The Civic Living Room“ interpretiert Kushaldip Kaur die gotischen Gewölbe der Kremser Kirchen als zeitgemäßes Stadtmobiliar. Baumartige Konstruktionen spenden Schatten und schaffen öffentliche Aufenthaltsräume für alle Generationen.
Ein spektakuläres Zeichen setzt Amanda Lin mit „Green Canopy“: Begrünte Landschaftstürme, Fußwege und Plätze überspannen den Bahnkorridor und verbinden die historische Altstadt wieder mit der Donau. Samantha Gordon schlägt mit „University Waterfront“ einen Innovationscampus am Fluss vor, der Forschung, Studierendenwohnen, Start-ups und öffentliche Freiräume miteinander verbindet. Mit „The Roof“ präsentiert Kavya Patel die Vision eines begrünten Daches über dem Fußballstadion, das Solarenergie erzeugt und sich als begehbare Brücke bis zur Donau fortsetzt. Logan Weiss gestaltet schließlich mit „The Pavilion, the Roof and the Forest“ den Museumsplatz zu einem grünen Treffpunkt mit Pavillon, Stadtwald und großzügigen Aufenthaltsbereichen um.
Internationale Impulse für die Stadtentwicklung
„Die vorgestellten Arbeiten zeigen eindrucksvoll, wie viel Potenzial in unserer Stadt steckt. Nicht jede Idee wird eins zu eins umgesetzt – und das ist auch nicht der Anspruch. Solche Visionen eröffnen neue Blickwinkel, regen Diskussionen an und liefern wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung unserer Stadt. Gerade im Spannungsfeld zwischen historischem Erbe und den Herausforderungen des Klimawandels ist dieser internationale Austausch von großer Bedeutung“, betont Bürgermeister Peter Molnar.
Für Gernot Riether, Chair der New Jersey School of Architecture am NJIT und Leiter des Workshops, beginnt gute Stadtplanung nicht mit Gebäuden, sondern mit den Menschen: „Historische Städte brauchen heute beides: Placekeeping und Placemaking. Es reicht nicht, das Bestehende zu bewahren – wir müssen unsere Städte auch mutig weiterentwickeln. Klimaanpassung bietet die Chance, lebenswertere öffentliche Räume zu schaffen, die Geschichte respektieren und gleichzeitig den Herausforderungen der Zukunft begegnen.“
Klaus Krobath, Leiter von AIR – Artist in Residence Niederösterreich der Kunstmeile Krems, sieht in der Zusammenarbeit einen großen Mehrwert und ergänzt: „Junge Menschen bringen einen unverstellten Blick auf eine Stadt mit. Gerade dieser frische Zugang eröffnet neue Möglichkeiten und regt dazu an, Gewohntes zu hinterfragen. Es geht nicht darum, jede Idee umzusetzen, sondern zu zeigen, was alles möglich sein könnte. Genau darin liegt der besondere Wert dieses Projekts. Der internationale Austausch bringt seit vielen Jahren neue Impulse nach Krems und bereichert die Weiterentwicklung der Kunstmeile Krems.“
Ausstellung lädt zum Entdecken ein
Die Ausstellung macht deutlich, dass Klimaanpassung weit mehr bedeutet als technische Maßnahmen. Sie zeigt, wie Architektur und Städtebau öffentliche Räume schaffen können, die kühler, grüner und lebenswerter sind und gleichzeitig die Identität einer historischen Stadt bewahren. Gerade in einem Sommer mit außergewöhnlich hohen Temperaturen gewinnen diese Visionen besondere Aktualität. Die vorgestellten Konzepte zeigen eindrucksvoll, dass nachhaltige Stadtentwicklung nicht Verzicht bedeutet, sondern neue Qualitäten schafft: mehr Schatten, mehr Natur, mehr Aufenthaltsqualität und eine stärkere Verbindung zwischen Stadt und Donau.
Ausstellung bis Ende August geöffnet
Die Ausstellung „Wo sich Krems und die Donau begegnen“ ist noch bis Ende August im Rathausfoyer der Stadt Krems (Obere Landstraße 4) zu sehen: Montag bis Donnerstag: 8 bis 16 Uhr. Freitag: 8 bis 12 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen
AIR – Artist in Residence Niederösterreich: https://www.air-noe.at
Kunstmeile Krems: https://www.kunstmeile.at
New Jersey Institute of Technology (NJIT) – Hillier College of Architecture and Design: https://architecture.njit.edu